Es kann der friedlichste Hundebesitzer nicht in Frieden leben, wenn…

“Nie wieder Urlaub mit zwei Hunden an der deutschen Küste!”, stöhnte kürzlich meine Freundin. Was war passiert? Überall Verbotsschilder: Hunde nicht an diesem Strand, Hunde nicht auf diesem Deich, Hunde nur an der Leine…

Die zahlreichen Einschränkungen waren offenbar die Folge fehlender Umsicht einzelner Hundehalter, die beispielsweise ihre Hunde frei auf Kuh-und Schafweiden laufen ließen – was für die Weidetiere nicht immer gut ausging! An dem offiziellen Hundestrand-Abschnitt tummelten sich dann umso mehr auf engem Raum, und wenn dann gefühlte 40 Hunde frei herumlaufen, deren Zweibeiner nicht in Sicht sind, ist mit Hunden, die keinen Kontakt zu Artgenossen haben möchten, an einen gemütlichen Strandtag nicht zu denken. Wohlgemerkt: Es handelte sich nicht um eine Freilauffläche, sondern einfach um ein Stück Strand, das Erholungssuchende mit ihren Hunden gemeinsam betreten dürfen. Wie im gesamten Nationalpark Wattenmeer bestand auch an diesem Strandabschnitt Leinenpflicht für Hunde, doch die schien viele nicht zu interessieren und alle Versuche, diese Hundehalter zur Rücksichtnahme zu bewegen, blieben fruchtlos.

Die Reaktionen sind meist die gleichen:  Vom scheinbar ermutigenden „Lassen Sie Ihre Hunde doch einfach mal frei, die machen das schon unter sich aus!“ bis hin zu Anfeindungen à la „Dann halten Sie sich doch gefälligst von hier fern, wenn Sie Ihre Tölen nicht im Griff haben!“.

Oh ja, was meine Freundin erlebte, kenne ich nur zu gut. Erinnern Sie sich noch an mein „Sprachlos in Brandenburg“, wo ich von der Hundehalterin erzählte, die ihren Terrier direkt vor das Fenster unseres Wohnmobils hielt, damit er meine dahinter tobende Hündin besser  sehen konnte? Nun, kürzlich war ich anlässlich einer Hundesport-Meisterschaft mit einigen anderen Kolleginnen wieder auf diesem Campingplatz, und noch nie habe ich mich derart unwohl gefühlt wie bei dieses Mal.

Ich akzeptiere, dass es der beste Campingplatz nicht verhindern kann, wenn eine bekanntermaßen leicht verwirrte, ältere Dame aus dem Ort dort immer mal spazieren geht. Dieser Aufenthalt geriet nun aber zu einem regelrechten Spießrutenlauf, weil ein anderer Gast sowie der Platzwart ihre durchaus freundlichen Hunde frei herumlaufen ließen, aber meine eigenen Hunde mögen nun mal keinen Kontakt.

Trotz mehrfacher Bitte, den jeweiligen Hund nicht frei herumlaufen zu lassen, zeigten sich Beide uneinsichtig. Der Platzwart-Hund wollte sogar einmal in unser Wohnmobil hereinkommen, und hätte ich meine Gittertür nicht davor gehabt, wäre es zu einem üblen Zwischenfall gekommen.

Ein anderer Gast wurde von diesem Hund angesprungen. Mein Mann Jörg hatte den Platzwart schon im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass sein Hund überall auf dem Platz mit Kot und Urin markiert – das sind alles Dinge, die ich als rücksichtslos empfinde und die wir in unserer Tätigkeit als Hundetrainer unseren Kunden einbläuen, so etwas zu unterlassen, weil Hundehalter damit in der Öffentlichkeit einfach immer mehr zum Feindbild werden.

Der Platzwart ist ansonsten wirklich sehr freundlich, und ich glaube auch, dass ihm sein Hund sehr, sehr viel bedeutet. Dem Hund die „Freiheit“ zu nehmen, schien eine geradezu unerträgliche Vorstellung zu sein. Aber Job ist Job, nicht wahr, und da sollte man doch auch auf die Wünsche der Kunden eingehen, oder?

Manch eine meiner Kolleginnen kündigte mir an, sich nächstes Jahr eine andere Unterkunft zu suchen. Abstimmung mit den Füßen, wie es dann so schön heißt. Aber mir ließ das Ganze keine Ruhe, ich hatte einfach schon viel zu oft sehr schöne Aufenthalte an diesem Ort verbracht und arbeite seit etlichen Jahren mit Kunden, Feedback ist – davon bin ich überzeugt – für einen guten Kundenservice unerlässlich.

Deshalb sendete ich dem Platzbesitzer nach unserem Aufenthalt eine Mail; zunächst hörte ich nichts von ihm, und ich bereitete mich innerlich schon darauf vor, hier künftig nicht mehr einen Platz zu bekommen – nicht jeder kann mit Feedback umgehen, das haben Sie sicher auch schon einmal erlebt.

Dann aber erhielt ich eine Antwort mit dem Dank für meine offenen Worte. Ihnen sei die Situation mit dem frei laufenden Hund des Platzwarts auch nicht ganz geheuer gewesen, doch da sich nie ein Gast dazu geäußert habe, gab es keine Veranlassung für ein Einschreiten. Man würde sich freuen, wenn ich wieder einmal bei ihnen zu Gast sein würde und in Zukunft werde es zu solchen Situationen nicht mehr kommen, die anwesenden Gäste sollen sich schließlich wohl fühlen.

Ich habe mich sehr über diese Reaktion gefreut, nicht nur, dass ich auch in Zukunft wieder meinen geschätzten Platz nutzen kann, sondern vor allem auch, endlich einmal auf Verständnis für die eigenen Bedürfnisse  getroffen zu sein. Offen gesagt: Ich bin oft ganz schön genervt vom rücksichtslosen Verhalten anderer Hundehalter: Liegengelassene Kothaufen, dauerkläffende Hunde in Vorgärten, überall markierende Hunde, die selbst den kleinen Absperrzaun direkt neben einem speisenden Paar in einem Restaurant anpinkeln dürfen. Hunde, die in Hotels mit ins Bett gelassen werden, dort in der Dusche abgebraust und zum Abtrocknen die Hotelhandtücher verwendet werden.

Der Hund kann nichts dafür, ich sehe die Verantwortung beim Zweibeiner. Ob fehlender Anstand, mangelnde Aufmerksamkeit oder bewusste Rücksichtslosigkeit – eigentlich ist es mir egal, ich kann nur immer besser nachvollziehen, wenn Hunde nicht überall gern gesehen werden. Unter den Einschränkungen haben dann aber alle Hundehalter zu leiden. Da fängt man dann auch langsam an, einen Groll auf diese negativ auffallenden Hundehalter zu hegen, wie mag es da erst den Nicht-Hundebesitzern gehen oder sogar denjenigen, die aus welchen Gründen auch immer Angst vor Hunden haben?

Die Rückmeldung des Campingplatzes hat mir wieder bestätigt: Miteinander zu reden kann etwas verändern! Sicher, Einige wird man nie erreichen können, doch wer es gar nicht versucht, hat doch von vornherein aufgegeben, oder? Das Leben mit Hund kann wunderschön sein, und ich würde mich freuen, wenn einfach jeder einen kleinen Beitrag dazu leistet – und wenn es nur die Rückmeldung ist, wenn etwas als unangenehm empfunden wird.

Manuela Klemz

Dieser Text ist in ähnlicher Form erschienen in meiner Citicon-Kolumne, Ausgabe Nr. 63. Auch online nachzulesen unter www.citicon-online.de.

Citicon Kolumne Rücksicht

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