Einfach mal loslassen…und zwar mit Freude!

Nach meinem Geschichtsstudium hatte ich ernsthaft erwogen, Archivar zu werden. Ich sah mich schon – jetzt einmal ein Vorurteil pflegend – mit Dutt und Nickelbrille in einem großen Archiv, umgeben von vielen alten Dingen, die sorgfältig registriert, gepflegt und bewahrt werden sollen. Ich habe diesen Berufsweg zwar nicht eingeschlagen, dennoch haben sich in unserem Haushalt inzwischen viele, viele Dinge angesammelt, die im Alltag nicht mehr wirklich häufig verwendet werden. Zugegeben: Das hat vermutlich ganz wenig mit meinem früheren Berufswunsch zu tun.

Kürzlich habe ich angefangen, diese Sachen systematisch zu verschenken oder für wenig Geld im Internet anzubieten. Zunächst war der Gedanke etwas merkwürdig, dass künftig mir völlig fremde Menschen beispielsweise unseren aussortierten Weihnachtsschmuck in ihrer Wohnung stehen haben werden. Die Kontakte selbst sind aber sehr nett, und so gebe ich gerne auch noch mal eine Kleinigkeit dazu, beispielsweise eine kleine Weihnachtsfigur. Das macht mir beim Einpacken richtig Freude und auch die Reaktion der Empfänger sind äußerst „Herz erwärmend“.

Nun mag sich mancher fragen, ob sich das alles lohnt, wie viel ich damals dafür bezahlt habe und wie wenig ich nun dafür bekomme – aber diese Frage stelle ich mir erst gar nicht: Ja, irgendwann habe ich einmal Geld dafür bezahlt und eine Zeit lang auch Freude an diesen Sachen gehabt, wenn sie nun anderen Menschen noch Freude bereiten – umso besser! Vieles ist doch zu schön, um es einfach in den Müll zu werfen, und ich leiste hiermit einen kleinen Beitrag zu weniger Abfall und in gewisser Weise auch zu mehr Nachhaltigkeit. Letztlich kann ich mit Erlösen aus diesen Verkäufen wieder soziale Projekte,  Tierheime in unserer Region oder das von uns so geschätzte Hundealtersheim der Dogworld-Stiftung unterstützen. Ein schöner Kreislauf, finden Sie nicht?

Auch jenseits von Materiellem kann es sehr gut tun, sich von manchem zu trennen, von Idealvorstellungen, schlichtweg unerfüllbaren Zielen oder auch Ansprüchen an sich und Andere, aber dazu demnächst mehr. Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie inklusive tierischen Mitgliedern nun erst einmal eine schöne restliche Adventszeit, ein besinnliches Weihnachtsfest und vieleicht auch die Gelegenheit, etwas loszulassen – denn das schafft oft Platz für etwas Neues, Schönes im Leben!

Dieser Text ist in ähnlicher Form erschienen in meiner Citicon-Kolumne, Ausgabe Nr. 54.