Erinnerung an Paulchen

Vor zwei Jahren ist Paul in den Hundehimmel umgezogen… Was für ein wunderbarer Hund, und wir werden ihn wohl nie, nie vergessen. Wie wir alle unsere Hunde immer noch in unseren Herzen tragen und voller Liebe und Dankbarkeit an sie denken.

Wir denken sehr häufig an unseren Paul zurück, und inzwischen ist das auch ohne Tränen möglich. Wir haben ihm so viel zu verdanken, wir sind so froh, dass wir ein paar seiner Lebensjahre mit ihm verbringen durften! Wir sind glücklich, dass wir ihm nach drei Jahren im Tierheim und diversen missglückten Vermittlungsversuchen ein neues Zuhause geboten haben. Dass wir uns auch von acht (!) zerstörten Holztüren und anderen Zerstörungen, ruinierten Eckzähnen und seelischen Schmerzen nicht entmutigen ließen. Wir wissen seitdem, wie sehr trennungsängstliche Hunde und ihre Besitzer (!) leiden. Wir (meinen zu) wissen, was gut für einen Hund ist. Paul hat uns mehr gelehrt als viele gute und sicherlich auch fundierte Fachbücher.

Alles hat seine Zeit, und das Wissen, dass er nun keine Schmerzen mehr hat, tröstet über seine Abwesenheit hinweg.

Ja, er hatte schwache Nerven. Dobermann-Mix halt.

Ja, sowohl Jörg als auch ich hatten seine Zähne mindestens einmal in irgendeinem Körperteil. Die Situation erklärte sein Verhalten.

Ja, Paul war nicht perfekt, und offen gesagt: Seit er nicht mehr da ist (er ging im biblischen Alter von immerhin fünfzehneinhalb Jahren!) sind zumindest unsere Jahresurlaube unfasslich entspannter, denn er hat es auch bei uns nie gelernt, entspannt Autofahren zu können, jeder Kilometer war eine Qual.

Wir konnten ihn zuletzt an einem unbekannten Ort nicht mal mehr eine Stunde allein lassen, sprich: Restaurant-Besuche im Urlaub waren gestorben, geschweige denn, ihn überhaupt irgendwo und irgendwem auch nur mal stundenweise in fremde Obhut geben zu können.

Dennoch…Bei allen Entbehrungen, sie waren “nur” für einige Jahre. Sie haben uns so viel gelehrt. Wir können besorgte und oft auch verzweifelte Hundebesitzer sehr gut verstehen. und wir sind überzeugt, dass er bei uns eine gute Zeit hatte.

Ein gutes Gefühl!

Paul, wo auch immer du sein magst: Wir denken an dich. Und wir wissen, dass viele unserer Freunde und Kunden auch immer mal wieder liebevoll an dich denken.

Alterchen, was kann man mehr wollen? Genieß deine Zeit auf der Wolke, und irgendwann werden wir uns schon wiedersehen…

Danke für die schöne Zeit!

PaulHausmeister

Über die Zeit im Allgemeinen und den vielleicht schönsten Tag im Leben

Unser Alltag steht ganz im Zeichen unseres Hundezentrums, allein die Betreuung der Pensionsgäste ist quasi ein 24-Stunden-Job, dann kommen noch die Trainingsstunden der Hundeschule dazu und die Verkäufe in unserem Ladengeschäft sowie in unseren Online-Shops. Kein Wunder also, dass mein Mann und ich kaum Freizeit haben und auch die freie Zeit für unsere eigenen Hunde sehr knapp ist. Zeit für jemanden zu haben, oder auch nur einmal für uns selbst, ist etwas sehr Rares und Kostbares. Deshalb wissen wir kleine Auszeiten sehr zu schätzen, und sie bleiben uns auch oft in lebhafter Erinnerung. Kürzlich hatte ich allerdings ein Erlebnis, dass einen ganz besonderen Platz in meinem Leben haben wird, und ich teile dieses Ereignis mit einem unserer eigenen Hunde, unserem Weimaraner Artus.

Dazu kurz zur Einleitung für diejenigen, die ihn nicht kennen: Er ist inzwischen zehneinhalb Jahre alt, kam vor einigen Jahren mit erheblichem Übergewicht zu uns (53 kg statt inzwischen 38 kg!) und das ist vermutlich auch die Ursache für zahlreiche Fett-Knubbel an seinem Körper, die teilweise Honigmelonen-gross sind und natürlich in gewissem Maße auch sein Wohlbefinden einschränken.

Als waschechter Jagdhund liegt ihm die Arbeit natürlich im Blut, und vor etwa anderthalb Jahren kamen wir gemeinsam zum Apportieren, auch Dummy-Training genannt. Was für ein Anblick: Seine ganze Haltung veränderte sich, sobald er seinen Apportiergegenstand im Maul hatte, stolz, fokussiert, geradezu “dienstbeflissen” – ich erlebte unseren Hund plötzlich von einer ganz neuen Seite.

Im Alltag muss sich unser gemeinsames Training leider auf das beschränken, was zwischendurch mal möglich ist, und das ist oft leider nicht viel. Aber am vergangenen Wochenende war es soweit: Artus und ich besuchten in der Nähe von Dresden ein Seminar mit einer renommierten Dummytrainerin, und natürlich erhoffte ich mir vordergründig, neue Trainingsideen für meine eigenen Trainingsstunden in unserer Hundeschule mitzunehmen, aber ich freute mich auch für Artus, denn auch als Trainer lernt man eben doch durch praktische Arbeit, und deshalb musste Artus natürlich mitmachen! Sicherlich, angesichts seines fortgeschrittenen Alters bin ich von vornherein mit einer bestimmten Trainingseinstellung angetreten: Ich bin zwar selbst ein Fan von korrekt ausgeführten Übungen, von eingeforderter Impulskontrolle und Grundgehorsam, doch bei diesem Senior wollte ich in Sachen Disziplin das ein oder andere Auge zudrücken, und seine Freude an der Arbeit sollte im Vordergrund stehen.

Das bedeutete für ihn zwei Seminartage ganz im Zeichen seiner geliebten Dummyarbeit! Unseren zweiten Hund Coco habe ich, auch wenn es mir nicht leicht fiel, tatsächlich zu Hause bei meinem Mann gelassen, meine ganze Aufmerksamkeit sollte Artus gehören, er sollte mit niemandem teilen müssen. Ein kleines Geschenk an ihn, der im Alltag als typischer Trainerhund eben oft auch zurückstecken muss. Und was haben wir beide für eine wunderbare Zeit gehabt: Der alte Herr war über die ganze Zeit voll konzentriert dabei, und abends waren wir Beiden zwar sehr müde, aber ich konnte sehen, wie glücklich er war – und das machte mich sehr glücklich!

Ich würde mir oft mehr Zeit für ihn wünschen, aber unser Betrieb lässt es eben nicht anders zu. Ich habe auch schon mehrmals bedauert, mit Artus nicht früher zum Dummytraining gekommen zu sein, dann hätte er schon viel früher seiner Leidenschaft frönen können. Aber hätte, wäre, wenn – manches kann man eben nicht ändern. Anstelle sich über Versäumnisse zu ärgern, darf man sich durchaus auch die schönen Erlebnisse bewusst machen, und ich bin mir sicher, dass dieses Erlebnis mit all der perfekten, entspannten Atmosphäre für uns etwas ganz Besonderes darstellt. Ja, ich glaube sogar, dass dies für ihn der vielleicht schönste Tag in seinem Leben war. Und ich war dabei und habe diese schöne Zeit mit ihm geteilt.

Wie ist es bei Ihnen? Können Sie sich an ein besonders schönes Erlebnis mit Ihrem Hund erinnern? Wo sein Blick verraten hat, wie glücklich er war, weil er etwas mit Ihnen gemeinsam unternommen hat?

Solche schönen Momente sind es wert, dass man sich an sie erinnert und sie mit Anderen teilt, finden Sie nicht auch? Machen Sie sich Ihr Erlebnis doch noch einmal ganz bewusst, und vielleicht haben Sie auch Lust, mir dazu eine Mail zu schreiben.

Ich würde mich freuen!

Dieser Text ist in ähnlicher Form erschienen in meiner Citicon-Kolumne, Ausgabe Nr. 62. Auch online nachzulesen unter www.citicon-online.de.

Der schönste Tag