Warum wir uns manchmal nicht so flexibel zeigen, wie der Hundebesitzer es gern hätte, Teil 1

Wer seinen Hund zu uns in die Pension gibt, weiß, dass er gut aufgehoben ist. Dennoch – die Trennung vom geliebten Haustier fällt nicht leicht, und so ist man froh, den Hund nach der Rückkehr aus dem Urlaub so schnell wie möglich wieder in die Arme schließen zu können.

In der Regel versuchen wir alles, um die Wünsche der Hundehalter zu erfüllen, aber wir müssen auch immer das Ganze im Blick haben: Während der Hundehalter verständlicherweise nur seinen Blickwinkel hat (sein eigener Hund kommt gern in unsere Pension und freut sich auch genauso, wenn er sein Herrchen und Frauchen wiedersieht), passiert mit jedem Neuzugang oder Abgang eine ganze Menge in der Gruppe! Hunde sind soziale Wesen, und es bilden sich sehr schnell hierarchische Gruppenstrukturen heraus. Geht ein Gruppenmitglied, werden die Karten neu gemischt und es braucht einige Zeit, bis die Gruppe wieder neu aufgestellt ist. Manche Hunde brauchen auch ihre Zeit, um sich in eine Gruppe einzufinden, manche hängen sehr eng an ihren Zweibeinern und brauchen deshalb vielleicht etwas länger, um sich auf die Spielkameraden einzulassen. Manche kommen etwas übermütig zu uns ins Hundehotel, haben Energieüberschuss oder meinen als klassisches “Einzelkind”, der Rest der Welt (beziehungsweise der Hotel-Wohngemeinschaft) müsse sich eben nach ihnen richten. Da braucht es manchmal etwas, bis sie wieder “eingenordet” sind, sprich: Die Regeln für ein harmonisches Zusammenleben in einer Gruppe verinnerlicht haben. Wem das jetzt alles sehr menschlich erscheint: Ja, die Parallelen zur Kindererziehung sind verblüffend, nicht wahr?

Wir haben aus gutem Grund unsere Mittagsruhe eingeführt, um eben der gesamten Gruppe ein bisschen Ruhe zu gönnen. Wir haben im vergangenen Jahr weiterhin die Öffnungszeit an Sonn- und Feiertagen auf den Vormittag reduziert, weil wir festgestellt haben, dass bei einem Sieben-Tage-Betrieb nicht nur wir Pensionsbetreiber damit zumindest ein bisschen zur Ruhe kommen, sondern auch unsere Langzeitgäste. Für den einzelnen Hundebesitzer bedeutet das in der Konsequenz leider, dass wir uns nicht so flexibel zeigen, wie es mancher gern hätte und die Wartezeit bis zum Wiedersehen eventuell bis zum nächsten Morgen dauert.

Wer schon einmal bei uns im Hundehotel war, weiß, dass es üblicherweise erstaunlich ruhig ist: Kein Gekläffe aus Frust oder Langeweile, kein Geheule aus Kummer. Das schätzen unsere Besucher immer sehr, und natürlich auch die Besitzer der hier untergebrachten Hunde. Das kommt aber nicht von allein, sondern weil wir die Gruppe eben so führen und zusammenstellen, wie wir es machen. Dazu gehören manchmal auch Entscheidungen, die für den Hundebesitzer, der in den meisten Fällen noch nie eine Gruppe von mehreren Hunden geführt hat, zunächst wenig nachvollziehbar sind. Selbstverständlich erklären dem jeweiligen Besitzer im Fall der Fälle natürlich auch, warum wir etwas nicht möchten, aber einige wiederkehrende “Dauerthemen” stellen wir auch an dieser Stelle sozusagen zum “ruhigen Nachlesen” vor:

Keine Unterbrechung des Aufenthalts an Wochenenden

Manchmal ergibt es sich, dass man während zweier aufeinanderfolgender Wochen unterwegs und nur am zwischendurch am Wochenende wieder zu Hause ist, da möchte man seinen Hund natürlich um sich haben. Oder am Wochenende können sich dann auch andere Familienmitglieder um den Hund kümmern. Für den Hund bedeutet das aber, dass er, nachdem er sich in die Hundehotelwelt eingefunden hat, für knapp 48 Stunden herausgenommen wird, dann wieder zurückkommt und erneut seinen Platz in der Gruppe finden muss. In manchen Fällen geht das problemlos, in anderen weniger, das hängt natürlich vom betreffenden Hund ab, aber auch, wer zu der Zeit gerade in der vierbeinigen Wohngemeinschaft lebt. Wir haben viele Stammgäste und kennen die allermeisten Hunde daher sehr gut. So kommt es vor, dass wir in manchen Fällen nicht nur von einer Unterbrechung des Aufenthalts abraten, sondern auch andernfalls ablehnen, vor allem während der Ferienzeiten, wenn durch die Hochsaison eh schon ziemlich viel in der Gruppe los ist. Wer nun denkt, dass es uns um das Geld für die zwei Wochenendtage geht: Da wir in den Ferienzeiten immer weniger Betreuungsplätze als Anfragen haben, könnten wir den freiwerdenden Platz locker anderweitig vergeben.

Warum tun wir das also? Seien Sie versichert: Weil wir möchten, dass es allen Hunden gut geht – Ihrem Hund und allen anderen, die hier sind, ebenfalls. Wir betreiben die Pension seit 2009, in all den Jahren haben wir ganz viel Erfahrung gesammelt und wissen in den allermeisten Fällen auch, was das Richtige ist. Und in den meisten Fällen lautet das: Keine Unterbrechung.

Vielleicht haben wir mit diesen Hintergrundinformationen etwas Einblick geben können. Bei Fragen stehen wir selbstverständlich auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung!

Hunde(Halter)hassen leicht gemacht!

Die vergangene Woche hatte für mich vieles, um zum Hundehasser – oder korrekt formuliert – zum Hundehalterhasser zu werden! Es begann mit einer Hundeausstellung bei uns in der Region; wir waren nur kurz dort und wollten anschließend noch auf einen Kaffee in die Ortsmitte. Entsetzt stellten wir fest, dass in einem Kilometer Umkreis zur Ausstellungshalle jede Häuserecke angepinkelt war! Am Nachmittag beim Besuch des Markt-Sonntags in Geisenfeld gleich das nächste Ärgernis: Hunde mitten im Gedränge der Menschen – mir ist ja immer noch nicht klar, warum manche Hundehalter meinen, ihren Hund zu solchen Veranstaltungen oder auch auf Christkindlmärkte mitschleppen zu müssen!

Der eine Hund war vollkommen überfordert und sprang wild kläffend immer wieder nach rechts und links, ein anderer verhielt sich dagegen auffällig ruhig – was wohl an dem Stachelhalsband lag, das man ihm um den Hals gelegt hatte. Und bevor jetzt jemand denkt, „Ach, die Klemz schon wieder, so ein Halsband ist gar nicht so schlimm, wenn man damit umgehen kann!“: Es war viel zu klein und hat permanent „gekrallt“. Da kann mir keiner erzählen, dass diese Hundehalterin den Hund tierschutzgerecht geführt hat.

Tags darauf erzählte mir Tina Branz, Besitzerin von drei Hunden und selbst auch Jägerin, dass in ihrem Revier in diesen Tagen wieder ein Reh zu Tode gekommen war – offensichtlich von einem Hund gerissen. Erst kürzlich hätte sie zwei Spaziergängerinnen gebeten, ihren Golden Retriever an die Leine zu nehmen, der gerade hinter einem aufgesprungenen Reh her gehetzt war – und erntete nur verständnislose Blicke, frei nach dem Motto: „Ach, so eine kleine Hatz hat noch keinem geschadet!“ Egal, ob der Hund zu langsam ist, um das Wild zu erwischen – so ein Reh hat Todesangst, wenn es gejagt wird, bricht manchmal einfach völlig entkräftet zusammen oder verendet aufgrund der Panik in einem Zaun. Ja, es ist richtig, dass
der Hund „nur“ seinem Jagdinstinkt nachgeht und damit ein ganz natürliches Verhalten zeigt, aber vor allem ist es rücksichtslos seitens des Hundehalters, seinen Hund frei laufen zu lassen. Tierliebe sollte nicht beim eigenen Haustier aufhören!

Ehrlich, so ein Verhalten macht mich richtig wütend! Haben solche Menschen schlichtweg kein Hirn im Kopf? Selbst „Wiederholungstäter“ sind oft nicht einsichtig. Warum verhalten sich manche Hundehalter derart rücksichtslos gegenüber anderen Menschen, anderen Tieren oder auch fremdem Eigentum? Jägerin Branz hatte eine erstaunliche Erklärung für mich: „Ich habe das Recht dazu, also mache ich es!“ Das hat mich erst einmal sprachlos gemacht, erscheint mir aber plausibel. Solange dieser Bereich von Benimm und Anstand für Hundehalter nicht mit klaren Gesetzen, Strafen und Verordnungen gepflastert wird, bleibt das so.

Jedenfalls passt diese Einstellung hervorragend zu der Sorte Hundehalter, die sich weigern, auf dem Gassigang die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners zu entfernen, denn schließlich würden sie ja Hundesteuer zahlen.